Surwatschka, Banitsa und Horo

Bulgarische Bräuche zum Jahreswechsel

Neujahr heißt in Bulgarien auch Wasiljowden, der Tag des heiligen Basilius des Großen, der am 1. Januar 379 starb. Wer Wasil oder Wasilka heißt, hat Namenstag. Zu diesem Fest gehören Bräuche, die Sie in Sofia auch als Gast erleben: ein Glücksschlag mit einem geschmückten Zweig, ein Gebäck voller Glückszettel und ein Reigentanz auf der Straße.

Zeichnung einer Surwatschka: ein zum Bogen gebundener Kornelkirschzweig mit roter und weißer Wolle, Popcorn, Trockenobst und Münzen
Die Surwatschka: ein Kornelkirschzweig mit roter Wolle, Popcorn, Trockenobst und Münzen. Zeichnung: silvester-sofia.de

Surwakane: Glück auf den Rücken

Am Neujahrsmorgen, früher schon nach Mitternacht, „wenn die ersten Hähne krähen“, ziehen Kinder von Haus zu Haus. In der Hand tragen sie die Surwatschka, einen Zweig der Kornelkirsche, oft zu einem Bogen gebunden und mit roter Wolle, Popcorn, Trockenobst und Münzen geschmückt. Die Kornelkirsche steht für Gesundheit und langes Leben, weil ihr Holz zäh ist und sie als Erste im Jahr blüht.

Mit dem Zweig klopfen die Kinder den Hausbewohnern sanft auf den Rücken und sagen einen Segensspruch auf. Er beginnt meist so:

Сурва, сурва година, весела година …
Surwa, surwa godina, wesela godina …

Frei übersetzt: „Surwa, surwa, ein frohes Jahr, goldene Ähren auf dem Feld, rote Äpfel im Garten …“. Dafür bekommen die Kinder Süßigkeiten, Obst oder etwas Geld. Manche deutsche Übersetzungen machen aus der Kornelkirsche einen Tannenzweig. Das ist ein Übersetzungsfehler.

Banitsa mit Glückszetteln

Auf den Neujahrstisch gehört die Banitsa, ein Gebäck aus dünnem Blätterteig mit Schafskäse und Ei. Zu Neujahr backt man kleine Zettel mit Wünschen hinein, die Kasmeti: Gesundheit, Liebe, Reise, ein neues Auto. Jeder bekommt ein Stück, und was auf dem Zettel steht, gilt für das neue Jahr. Manche Familien stecken die Glückszettel stattdessen in eine Pita, ein rundes Festbrot.

Eine runde Banitsa aus Blätterteig in einer Backform
Banitsa: Zu Neujahr stecken kleine Glückszettel darin. Foto: borzo, CC BY-SA 3.0

Das Festessen

An Silvester und Neujahr wird in Bulgarien reichlich und mit Fleisch gegessen, traditionell mit Schweinefleisch und einem Hahn für den Wasiljowden-Tisch, dazu gekochter Weizen, Banitsa und Pita. Ganz anders eine Woche vorher: Am Heiligabend, dem Badni Wetscher, kommen nur fleischlose Gerichte auf den Tisch, und zwar eine ungerade Zahl, sieben, neun oder elf, etwa Sarmi (Rouladen aus Sauerkraut), gefüllte Paprika und Bohnen.

Horo: Tanzen im Kreis

Der Horo ist der bulgarische Reigentanz: Man fasst sich an den Händen oder am Gürtel und tanzt im Kreis oder in einer langen Kette. Auf dem Dorfplatz gehört er traditionell zum Neujahrstag. In Sofia wurde zuletzt direkt nach Mitternacht bei der Stadtfeier getanzt, auf der Bühne und auf dem Platz davor. Mitmachen ist ausdrücklich erlaubt. Die Schritte schauen Sie sich beim Nachbarn ab.

Menschen tanzen in einer langen Kette den bulgarischen Horo
Horo: Man reiht sich ein und lernt die Schritte beim Tanzen. Foto: VasilPetrov92, CC BY-SA 4.0

Weihnachten am 25. Dezember

Anders als in Russland oder Serbien feiert die bulgarisch-orthodoxe Kirche Weihnachten am 25. Dezember, seit sie 1968 ihren Kalender umgestellt hat. Die Festtage liegen also wie in Deutschland. Nur Ostern wird weiter nach dem alten Kalender berechnet.

Neujahrswünsche auf Bulgarisch

Die oft zitierte Form „Za mnogaya godini“ gibt es im Bulgarischen so nicht.

Zwei weitere Termine nach Neujahr lohnen sich für Gäste: der Jordanstag am 6. Januar und das Maskenfest Surva in Pernik Ende Januar.